Archive für April 2009

Welch ein Glück!

Ist nicht dieser Tage Muttertag? Ich muss unbedingt daran denken, meine Erzeugerin anzurufen und ihr zu danken.

Danken dafür, dass sie mich seinerzeit zur Welt gebracht hat, allerdings weniger für das “zur-Welt-bringen”, sondern für das “seinerzeit”. Wie trefflich sie in Zusammenarbeit mit ihrem Gatten doch den Zeitpunkt gewählt hat, also wirklich: Auf den Punkt genau; plus/minus 5 Jahre.

Sie hat die Stunde meiner Geburt so exakt gewählt, dass ich, als ich mich 13 Jahre später praepubertär für die Populärmusik zu interessieren begann, von unglaublichen Vorteilen profitieren durfte:

1.) Die Musik kam nicht aus Mobiltelefonen, sondern aus Lautsprechern, auch Boxen genannt, hie und da bereits mit einer Frequenzweiche ausgestattet, die es drei oder mehr verschieden gearteten Membranen gestatteten, ihr Bestes zu geben und sich dabei optimal zu ergänzen. Wir wussten exakt darum bescheid, dass die Bassmembran einen Durchmesser von mindestens 10 Zoll haben sollte, besser allerdings 15 Zoll, damit die tieftönenden FenderPrecision und die Rickenbacker-Bässe ihr Ziel finden konnten, nämlich unsere Bauchdecken. Und damit wären wir schon bei 2.)!

2.) Musik bedeutete seinerzeit ein Geräusch, das, ob nun als angenehm empfunden oder nicht, von Menschen gemacht wurde, die sich Musiker nannten und die diese Geräusche Gegenständen entlockten, die sie als “Instrumente” bezeichneten (die Älteren unter unseren Lesern werden sich erinnern). Das seltsamste an diesen Musikern war jedoch, dass sie im Stande waren, ohne elektronisches Rhythmusgerät bis 3,4,6 oder 8 zu zählen, ohne elektronischen “Harmonizer” zwischen Moll- und Dur-Akkorden exakt zu unterscheiden, die Melodie eines Verses zweimal nach einander zu spielen, ohne ein “loopFX” einzusetzen und - man staune - sie konnten mit dem Wort “Septime” etwas anfangen.

3.) Apropos “Septime”….Wer sich auch heute noch für Septimen, 4-Viertel- oder 6-Vierteltakte  und diese eigenartigen Musiker und ihre noch eigenartigeren Instrumente erwärmen kann, dem sei morgen, am Maifeiertag, zwischen 15:00 und 16:30 3sat empfohlen, da gibt’s dann aber Septimen in Ohren und Bauchdecke, dass es nur so eine Freude hat. Gut, dass ich den Fernseher bereits in den Stereoverstärker gestöpselt habe, wegen der 12-Zoll-Bassmembran!